Samstag, 28. Februar 2015

Der Skandal: Aus Kostengründen werden Tausende von an Hepatitis C lebensbedrohlich erkrankten Menschen in der Schweiz aufgrund der Richtlinien des Bundesamts für Gesundheit (BAG) nicht behandelt


Was ist Hepatitis C
Hepatitis C ist eine Viruserkrankung, die bei einem grossen Teil der Betroffenen mit der Zeit zu einer  Leberschädigung führt (Leberfibrose, Leberzirrhose, Leberversagen und ein Teil davon auch Leberkrebs).

Neue, hochwirksame Medikamente verfügbar
Seit rund einem Jahr gibt es hochwirksame Medikamente zur Behandlung von an Hepatitis C erkrankten Menschen, die sogenannten direkten Virenhemmstoffe oder Proteasehemmer. Das erste dieser Art, das in der Schweiz seit 2014 zugelassen ist,  war Sovaldi (mit dem Wirkstoff Sofosbuvir), das meist noch zusammen mit Ribavirin eingesetzt wird.  Eine neue Generation wurde  im Dezember 2014 zugelassen, Harvoni (das nebst Sofosbuvir auch Ledipasvir enthält) und gemäss Studien noch wirksamer ist. Es werden bei 12-wöchiger Behandlung 93 – 99% Heilungsraten erreicht, bei 24-wöchiger Behandlung 100%. Der Nachteil sind die hohen Kosten: eine 12-wöchige Behandlung kostet rund 60‘000 Fr., eine 24-wöchige 120‘000 Fr. Beide Medikamente wurden vom US-amerikanischen Pharmahersteller Gilead Sciences erforscht und hergestellt.

Wer hat das Recht auf Behandlung und wer nicht?
Das BAG hat entschieden, Erkrankte erst ab dem Fibrosestadium F3 zu behandeln. Dabei stehen für F0 = keine Fibrose; F1 = leichte Fibrose; F2 = mässige, klinisch signifikante Fibrose; F3 = hochgradige Fibrose und F4 = Zirrhose (Endstadium). Nebst der medizinisch bekannten Gefährlichkeit der Erkrankung, die in zahlreichen Fällen letztendlich zum Tode führt, leiden zahlreiche Betroffene unter verschiedenen Symptomen, besonders über Abgeschlagenheit, Tagesmüdigkeit, Gliederschmerzen, Druckschmerzen im rechten Oberbauch,  verminderte Leistungsfähigkeit).

Restriktive Zulassungspraxis in der Schweiz
Auch die Zulassungskriterien der neuen Medikamente lassen in der Schweiz viel zu wünschen übrig. So sind Daklinza von Bristol-Myers Squibb und Olysio von Janssen in den USA und der EU bereits zugelassen. Harvoni (von Gilead) ist in der EU auch für den Genotypen 4 zugelassen, in der Schweiz aber nur für den am häufigsten verbreiteten Genotypen 1. 

Skandal der öffentlichen Gesundheit und Propaganda des BAG
Wir, Betroffene durch Hepatitis C, Freunde und Angehörige, aber auch gesunde Menschen, denen das Schicksal anderer nicht gleichgültig ist, betrachten es als einen Skandal, dass zig-tausenden von Menschen aus Kostengründen nicht geholfen wird, obwohl es heute eine fast 100%-ige Medikation gibt! In den Stellungnahmen des BAG werden auch direkte Lügen verbreitet, um zu verhindern, dass die Öffentlichkeit sich gegen diese unmenschliche Praxis mobilisiert. So sagt Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG)  in der NZZ vom 30.10.2014: „Es hat wenig Sinn, diejenigen zu behandeln, die einmal krank werden könnten, es aber noch nicht sind und vielleicht auch nie werden.“. Damit suggeriert er, das hierzulande nur die noch Gesunden nicht behandelt werden. Die Patienten, die aber bereits eine Fibrose F2 entwickelt haben, sind bei weitem nicht mehr gesund, auch die mit Fibrose F1 nicht! Wir würden es noch verstehen, wenn diejenigen, bei denen noch keine Fibrose nachweisbar ist, noch nicht behandelt werden. Aber bereits ab Fibrosestadium F2 ist eine Verweigerung der Medikamente schlicht unverantwortlich, inakzeptabel und unmenschlich. Er spricht weiter von 4,6 Milliarden Fr., welche eine Behandlung aller Hepatitis-C-Träger kosten würde. Auch hier lügt das BAG. Es sind zur Zeit 33‘000 Fälle in der Schweiz bekannt. Wenn all diese bekannten Fälle behandelt würden, belaufen sich die Kosten auf rund 2 Milliarden. Herr Strupler verwendet hier bewusst die Zahl „geschätzter“ Fälle. Wenn nun aber nur jene behandelt würden, die bereits eine Fibrose F1 entwickeln, dann wären wir bei noch viel tieferen Kosten, was vom BAG bewusst unterschlagen wird. So gibt es seitens des BAG keine Zahlen, wie viele der registrierten Hepatitis-C Träger wirklich erkrankt sind und was also die tatsächlichen Kosten einer Behandlung aller Erkrankten wären.
Die meisten Hepatologen und Ärzte der Schweiz stehen nicht hinter diesem Entscheid des BAG. Dennoch versichert der Direktor des BAG, den Rationierungsentscheid „selbstverständlich in Absprache mit medizinischen Experten“ getroffen zu haben. Wir fragen uns, wie lange es wohl dauerte, bis diese „Experten“ gefunden wurden. Sicher aber hat das BAG keine Befragung der spezialisierten Ärzteschaft durchgeführt, und ist noch weniger bereit, auf die Mehrheit der Fachärzte zu hören.


Der Direktor des Bundesamts für Gesundheit sollte besser zurücktreten und sich im Volkswirtschaftsdepartement bewerben, dort würde er der Schweizer Öffentlichkeit vielleicht bessere Dienste leisten.


Unsere Forderungen
Uneingeschränkten Zugang von Hepatitis-C-Erkrankten auf die Medikamente der neuesten Generation. Dazu soll das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Einschränkungen (Limitatio) für die Verschreibung der neuen Hepatitis C Medikamente sofort aufheben.

Wir laden Dich ein, unsere Anliegen zu unterstützen und dich unseren Forderungen anzuschliessen. Du bist auch herzlich eingeladen, mit uns Kontakt aufzunehmen, so dass wir gemeinsam den Druck auf die Schweizer Behörden erhöhen können. Solange wir uns nicht bewegen, wird nichts passieren, und Menschen werden aus Kostengründen schwer erkranken oder gar sterben.

Schreib uns an: stop-hepatitis-c@bluewin.ch



  
 



Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Super Sache. Hoffentlich gehört diese Krankheit bald der Vergangenheit an, und zwar für alle Menschen.

Anton Kohler hat gesagt…

Als ebenfalls Betroffener gibt es für mich nicht eines: Ich werde alles daran setzen, dass ich und andere die neue Therapie bekommen, vor allem wenn, wie bei mir, Interferon nicht wirkt. Wir haben ein Recht darauf und sind für die hohen Kosten der neuen Media nicht verantwortlich. Übrigens. am 28, Juni ist internationaler Hepatitis-Tag: Nutzen wir die Möglichkeit die Öffentlichkeit aufzurütteln. Anton Kohler